Neue EPR-Studie: Was Belgien, Deutschland und Luxemburg beim Verpackungsrecycling erfolgreich macht
Die aktuelle Studie „Leistung von EPR-Systemen in der Europäischen Union“ von EUROPEN und CIRCPACK analysiert die Leistungsfähigkeit der Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Belgien, Deutschland und Luxemburg schneiden dabei überdurchschnittlich ab: Belgien ist mit einer Verpackungsrecyclingquote von 79,7 % Spitzenreiter - der EU-Durchschnitt liegt bei 68 %.
Was untersucht die Studie?
Die Studie analysiert die Leistungsfähigkeit der Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Im Fokus stehen vier zentrale Analysebereiche ("Säulen"):
- Materialverluste minimieren: Welche Faktoren verbessern die Recyclingquoten und reduzieren Materialverluste?
- Berichterstattung und Monitoring zur Kreislaufwirtschaft: Welchen Einfluss haben die Datenqualität, Berichterstattung und Leistungskennzahlen (KPIs) auf die Systemleistung?
- Schaffung von Kreislaufmärkten: Wie fördern die unterschiedlichen Ansätze Single-PRO und Multi-PRO* die Nachfrage nach Recyclingmaterialien und funktionierende Kreislaufmärkte?
- Transparenz: Wie sieht der Zusammenhang zwischen Transparenz, Nachvollziehbarkeit von Geldflüssen und Recyclingerfolgen aus?
* In einem Single-PRO-System übernimmt eine einzige Organisation die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Haushaltsverpackungen. In einem Multi-PRO-System teilen sich mehrere Organisationen diese Aufgabe.
Der EU-Vorreiter: Belgien
- Belgien ist mit einer Verpackungsrecyclingquote von 79,7 % der Spitzenreiter in der EU und erzielt gleichzeitig die höchste Transparenzbewertung der Studie.
- Das Land hat die PPWR-Ziele für 2030 bei Kunststoff, Glas, Stahl und Aluminium bereits erreicht oder übertroffen.
- Ein Schlüsselfaktor ist die Eco-Fee Modulation. Sie differenziert die EPR-Gebühren nach der Recyclingfähigkeit von Verpackungen.
- Dank flächendeckender Sammlung, hoher Datenqualität und transparenter Finanzströme zwischen Fost Plus und den Kommunen erzielt Belgien konstant hohe Recyclingleistungen.
- Trotz der Spitzenposition ist auch Belgien noch nicht vollständig auf die Anforderungen der PPWR zum Recycling im industriellen Maßstab ab 2035 vorbereitet. Vor allem bei flexiblen Verpackungen sind weitere Investitionen in Sortier- und Recyclingkapazitäten erforderlich.
- Die Empfehlung der Studie: Das Gebührenmodell beibehalten und weiter in Sortier- und Recyclingkapazitäten investieren.
Ein starkes Recycling-System: Deutschland
- Mit einer Verpackungsrecyclingquote von 69,4 % gehört Deutschland zur europäischen Spitzengruppe, liegt jedoch knapp unter dem PPWR-Ziel von 70 % für 2030.
- Zu den größten Stärken zählen das Verpackungsgesetz, die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und die LUCID-Datenbank, die für eine hohe regulatorische Kontrolle sorgen.
- Deutschland erzielt bereits hohe Recyclingquoten bei Papier (86,6 %), Glas (80,6 %), Stahl (86,7 %) und Aluminium (68,0 %) und verfügt über eine gut ausgebaute Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastruktur.
- Das Pfandsystem (DRS) unterstützt zusätzlich hohe Sammelquoten für Getränkeverpackungen.
- Herausforderungen bleiben die Fragmentierung durch zehn Duale Systeme, fehlende Transparenz bei Gebührenstrukturen sowie zersplitterte Monitoring-Strukturen, die die Nachverfolgung von Materialverlusten erschweren. Deutschland fällt in die Kategorie Mittlere Transparenz (4,75/6).
- Auch in Deutschland zählen flexible Kunststoffe zu den größten Schwachstellen. Mit 52,2 % liegt das Kunststoffrecycling noch unter dem PPWR-Ziel von 55 % für 2030.
- Die Empfehlung der Studie: Transparenz und Datenkonsolidierung im Multi-PRO-System stärken, die Infrastruktur für flexible Kunststoffe weiter ausbauen und die Umsetzung von Rezyklierbarkeits- und PCR-Vorgaben stärker harmonisieren.
Luxemburg: Transparenz als Stärke
- Luxemburg erreicht eine Verpackungsrecyclingquote von 66,1 % und zählt dank seines Single-PRO-Systems (Valorlux) zu den transparentesten EPR-Systemen in Europa.
- Das einheitliche System sorgt für klare Verantwortlichkeiten, konsolidierte Daten und eine hohe Transparenzbewertung ("Hohe Transparenz").
- Luxemburg erzielt solide Ergebnisse, liegt aber noch unter dem Niveau der führenden EU-Mitgliedstaaten. Vor allem flexible Kunststoffe bleiben mit einer Recyclingquote von 19,4 % eine Herausforderung.
- Die Empfehlung der Studie: Die Eco-Fee Modulation weiter differenzieren, den Einsatz von Rezyklaten und die Recyclinginfrastruktur stärken sowie die Vorteile des Single-PRO-Modells für eine noch gezieltere Materialsteuerung nutzen.
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