Okt 14 bis Okt 17

Solarenergie in Belgien

Vom 14. bis 17. Oktober 2019 begleitete AHK debelux deutsche Firmen aus der Solar-Energie-Branche auf den belgischen Markt. Am Beginn der Geschäftsreise stand eine Fachkonferenz über das Thema Solarenergie in Belgien.

Am 15. Oktober fand die deutsch-belgische Fachkonferenz unter dem Titel „Solarenergie in Belgien und in Deutschland“ statt mit deutschen Fachreferenten der Universität Paderborn und der TU Braunschweig sowie belgischen Fachreferenten von ODE und EDORA unter der Moderation von energiewaechter. Die teilnehmenden Experten und Unternehmer beider Länder konnten sich im thematisch passenden, mit Solarenergie betriebenem Passivhaus Greenbizz.brussels über die Entwicklung und Trends des Photovoltaik- und Solarthermie-Marktes in den beiden Ländern informieren und sich mit Fachexperten austauschen.

Jakob von Wagner erklärte in seinem Grußwort, dass sowohl Deutschland als auch Belgien vor der Energiewende mit ähnlichen Herausforderungen stehen. Neben dem Atomausstieg verfolgten beide Länder längerfristig auch den Kohleausstieg, so der Leiter des Wirtschaftsreferats der Deutschen Botschaft. Versorgungssicherheit und Netzkapazitäten sind wesentliche Themen, an denen Belgien und Deutschland auch gemeinsam arbeiten, wie bspw. die Stromverbindung ALEGrO, die von Amprion und dem belgischen Übertragungsnetzbetreiber Elia gebaut wird und welche Aachen und Lüttich mit einer Transportkapazität von 1.000 MW verbinden soll.

In Sachen Energiepolitik, bewegt sich auf regionaler Ebene sehr viel. Herr Jehan Decrop erläuterte, dass in Belgien Erneuerbare Energien bislang 11 % in Flandern, 22,7 % in Wallonien und 5 % in Brüssel ausmachten. Das Ziel für Photovoltaik ist, diese von heute bis 2030 zu verdreifachen. Der Berater für Marktgestaltung, Fördermechanismen und Photovoltaik des Verbandes EDORA geht davon aus, dass der Markt, jedoch auch die Elektrizitätspreise weiterwachsen werden. Vorstellbar sei, dass Photovoltaik in Neubauten verpflichtend wird. An einer Maßnahme für PV in Mietwohnungen wird derzeit auf EU-Ebene gearbeitet.

Mehr als 80 % der in Belgien installierten PV-Anlagen sind kleine Anlagen, wobei ein deutlicher Zuwachs der industriellen Anlagen, z.B. auf Supermärkten, zu beobachten ist. Die Richtlinienbeauftragte für Photovoltaik und Wärmepumpen der Organisation ODE, Jozefien Vanbecelaere, erläuterte, dass Photovoltaik auch in Flandern ein Schlüsselelement der Zukunft ist. Die neue flämische Regierung plant eine neue Tarifstruktur für kleine Anlagen und wird Tendering einführen. Ab 2021 wird es wahrscheinlich keine Grünstromzertifikate mehr geben. Bis dahin müssten PV-Installationen auf dem Eigenheim zu mindestens 50 % für die Eigenversorgung genutzt werden.
Neben der Eigenversorgung ist auch das Thema der kollektiven Selbstversorgung im Trend. Herr Stefan Krauter illustrierte den Weltenergieverbrauch innerhalb eines Jahres im Vergleich zu unterschiedlichen Energieressourcen. Hier war deutlich zu erkennen, dass Sonnenergie mit Abstand das höchste Potenzial in der Stromerzeugung birgt da der Weltenergieverbrauch mit Sonnenenergie um ein Vielfaches problemlos gedeckt werden könnte. Der Professor der Universität Paderborn sprach auch die unterschiedlichen Einstrahlungswerte an, welche in Nordeuropa halb so hoch wie in Südeuropa sind.

Herr Oliver Rosebrock referierte über die Kostenentwicklung von Photovoltaik und Solarthermie. Während die Kosten für PV zwischen 1985 und 2015 um einen Faktor von 8 gesunken sind, sind sie für Solarthermie gerade mal um einen Faktor von 2 gesunken. Auch stellte der wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Braunschweig Praxisbeispiele der Arbeitsgruppe Energieversorgung dar. Bei mehreren Forschungsprojekten mit Gebäuden und Wohnkomplexen, die mit Solarenergie für den Eigenbedarf ausgestattet wurden, konnte festgestellt werden, dass komplexe Systeme häufig fehleranfällig sind. Zudem bereiteten im Gegensatz zu photovoltaischen Anlagen, solarthermische Anlagen häufig unerwartete Probleme. Sein Fazit: PV und Solarthermie sind sehr gut entwickelte Energiegewinnungssysteme und helfen deutlich bei der Reduzierung von CO2.

Die Umsetzung und Integrierung beider Systeme ist auf verschiedene Art und Weise möglich; einfache Systeme sind jedoch für die maximale Energiegewinnung und -nutzung essenziell. An den beiden Tagen nach der Konferenz besuchten wir gemeinsam mit den sechs deutschen Unternehmen Photovoltaikprojekte sowie potenzielle Kooperationspartner in ganz Belgien. So fand eine Besichtigung des Marché Matinal de Bruxelles statt, der die größte PV-Solardachanlage in Brüssel hat. Die Besichtigung wurde vom Bauverband Confédération Construction Bruxelles-Capitale organisiert und von ENGIE Electrabel SA geführt.
Auch EnergyVille, die Kollaboration der flämischen Recherchepartnern KU Leuven, VITO, imec und UHasselt, wurde besucht. Die Forschungseinrichtung entwickelt generische Technologien und Methoden und forscht u.a. an PV-Zellen und PV-Modul-technologien, Batteriezellen, thermischen Netzwerken, Speicherkomponenten und gebäudeintegrierter PV. Am letzten Tag besuchten wir die Zertifizierungs- und Prüfungsstelle Eliosys. Das einzige belgische Testlabor, das nach ISO 17025 für die vollständige Charakterisierung von PV-Modulen zertifiziert ist, stellt seine Testmaschinen eigens her und macht unter anderem Klima-, Alterungs-, Dichtheits- und Schockprüfungen.

Den Abschluss der Geschäftsreise bildete ein Termin bei dem flämischen Ingenieur- und Beratungsbüro Zero Emission Solutions, welches sich in den vergangenen Jahren als Marktführer mit über 400 durchgeführten PV-Projekten entwickelt hat. Das Büro arbeitet im Energiebereich hauptsächlich an größeren Projekten, ab 1 GW und bietet auch Beratung und Weiterbildungen an EPC-Unternehmen an. Wir möchten uns herzlich bei den deutschen Teilnehmern, unseren Partnern in Deutschland, den Besuchern und Rednern der Konferenz sowie den Unternehmen, die wir besuchen durften, für diese ereignisreiche, aufschlussreise und faszinierende Woche bedanken.

Die Geschäftsreise wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen der Exportinitiative Energie unterstützt.

Downloads:

Überblick über die teilnehmenden Unternehmen

Konferenzprogramm

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