Belgien hat einen der fortschrittlichsten Wasserstoffmärkte weltweit und verfügt über eines der größten Wasserstofftransportnetzwerke. Bisher besteht das Netzwerk aus 4000km Pipelines und 18 Verbindungspunkten mit Nachbarländern und Importanlagen.
2021 wurde in Belgien eine föderale Wasserstoffstrategie beschlossen, die vor allem Wert auf erneuerbaren Wasserstoff, der z.B. mit erneuerbarem Strom erzeugt wird, legt. Dieser Wasserstoff soll dann vor allem zur Dekarbonisierung der Industrie und des Transports verwendet werden. Die Strategie baut auf 4 Säulen.
Mehr über die aktuelle Situation, Pläne und Strategien erfahren Sie in unserem Wasserstoff-Papier.
FAQ
Welche Rolle spielt Wasserstoff in Belgien?
Wasserstoff spielt eine zentrale Rolle in der belgischen Energiewende und auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Belgien verfügt über eine strategisch wichtige Wasserstoffinfrastruktur mit rund 450 Kilometern Wasserstoffpipelines und zählt zu den fortschrittlichsten Wasserstoffmärkten Europas. Die belgische Regierung erwartet, dass bis 2050 zwischen 125 und 200 TWh Wasserstoff und Wasserstoffderivate benötigt werden, insbesondere für Industrie, Transport, Stromerzeugung und Gebäudeheizung.
Wie sieht die belgische Wasserstoffstrategie aus?
Die 2021 verabschiedete belgische Wasserstoffstrategie konzentriert sich vor allem auf erneuerbaren bzw. grünen Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Ziel ist es, fossile Energieträger zu ersetzen und die CO₂-Emissionen in energieintensiven Sektoren deutlich zu reduzieren.
Die Strategie basiert auf vier Schwerpunkten:
- Belgien als europäische Drehscheibe für die Einfuhr erneuerbarer Wasserstoffmoleküle positionieren.
- Die internationale Führungsrolle Belgiens in der Wasserstofftechnologie stärken.
- Einen robusten und wettbewerbsfähigen Wasserstoffmarkt aufbauen.
- Die nationale und internationale Zusammenarbeit im Wasserstoffsektor fördern.
Wie unterstützt Belgien den Import von Wasserstoff nach Europa?
Belgien verfügt mit den Häfen Antwerpen und Zeebrügge über eine wichtige Energieinfrastruktur für den europäischen Wasserstoffhandel. Bereits 2019 wurden rund 1,6 Mio. TJ an Energielieferungen nach Belgien importiert und etwa 900.000 TJ in andere europäische Länder weitergeleitet. Die Häfen sollen künftig eine zentrale Rolle beim Import und der Verteilung von erneuerbarem Wasserstoff in Europa übernehmen.
Was ist das Ziel der ersten Säule der belgischen Wasserstoffstrategie?
Die erste Säule der belgischen Wasserstoffstrategie verfolgt das Ziel, Belgien als zentrale Drehscheibe für den Import und die Verteilung von erneuerbarem Wasserstoff in Europa zu etablieren. Da die heimische Produktion mit etwa 20 TWh pro Jahr bis 2030 den erwarteten Bedarf von 200 bis 350 TWh bis 2050 nicht decken kann, setzt Belgien auf den Import von grünem Wasserstoff über Pipeline- und Schifffahrtsrouten. Dazu zählen die Nordseeroute, die südliche Route und die Schifffahrtsroute.
Was beinhaltet die zweite Säule der belgischen Wasserstoffstrategie?
Die zweite Säule zielt darauf ab, die belgische Führungsrolle in der Wasserstofftechnologie auszubauen. Dazu fördert die Regierung Forschung, Entwicklung und Innovation sowie den Aufbau von Test- und Elektrolysekapazitäten. Über Förderprogramme wurden bereits Projekte zur Wasserstoffproduktion, -speicherung und -nutzung mit mehreren zehn Millionen Euro unterstützt. Zudem stärken Netzwerke wie WaterstofNet und Cluster Tweed die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden.
Und die dritte Säule?
Die dritte Säule konzentriert sich auf den Aufbau eines robusten Wasserstoffmarkts. Dazu fördert Belgien die Vernetzung von Angebot und Nachfrage, investiert bis zu 395 Mio. € in den Markthochlauf und treibt den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur voran. Geplant ist ein nationales Wasserstoff-Pipelinenetz, das Belgien mit den Niederlanden, Frankreich und Deutschland verbinden soll. Bis 2028 soll auch eine Anbindung an das deutsche Wasserstoffnetz entstehen.
Was ist das Ziel der vierten Säule der belgischen Wasserstoffstrategie?
Die vierte Säule legt den Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und internationalen Partnern. Dafür unterstützt die belgische Regierung Initiativen wie WaterstofNet, Cluster Tweed und den Belgian Hydrogen Council, um das belgische Wasserstoff-Ökosystem zu stärken und belgische Unternehmen international besser zu positionieren.
Wie fördert Flandern den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur?
Flandern ist ein zentraler Standort der belgischen Wasserstoffwirtschaft und verfügt über die höchste Wasserstoff-Pipelinedichte pro km² weltweit. Über die Häfen Antwerpen-Brügge und Ostende sowie Unternehmen wie Fluxys werden Wasserstoffnetze, Importkapazitäten und neue Infrastrukturprojekte aufgebaut, um Flandern als europäischen Wasserstoff-Hub zu positionieren.
Welche Strategie verfolgt die Wallonie?
Die Wallonie verfolgt eine eigene Wasserstoffstrategie und setzt dabei insbesondere auf die Initiative ClusterTweed. Das Netzwerk vereint mehr als 200 Akteure aus dem Bereich der erneuerbaren Energien in der Wallonie und Brüssel und fördert die Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Partnern. Gemeinsam mit WaterstofNet ist ClusterTweed zudem am Aufbau des Belgian Hydrogen Council beteiligt, der die Zusammenarbeit innerhalb des belgischen Wasserstoffsektors stärken soll.