Energiepreise dämpfen die Wettbewerbsfähigkeit
Die belgische Chemieindustrie ist breit aufgestellt und gut vernetzt. So kommt sie ein wenig besser durch die aktuelle Krise als die Branche in manch anderem EU-Land.
Die Chemieindustrie in Belgien einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige. Auch im europäischen Vergleich nimmt der Sektor eine herausragende Stellung ein. Maßgeblich dafür ist der Chemiecluster im Antwerpener Hafengebiet.
Krisenjahr 2025
Allerdings kann das Jahr 2025 getrost als "Annus horribilis" für die Chemiebranche bezeichnet werden. Die Exporte der lokalen belgischen Chemieindustrie waren bereits im dritten Jahr in Folge rückläufig. Zugleich hielten sich allgemein Investoren bei neuen Produktionskapazitäten zurück.
- 42 Mrd. Euro Umsätze 2025 - Spitzenposition in Europa
Bereits 2023 galt infolge der Energiekrise als konjunkturell bedingtes Krisenjahr. Das Jahr 2025 könnte den Übergang zu einer strukturellen Wettbewerbs- und Investitionskrise der belgischen – analog zur europäischen - Chemieindustrie einläuten. Vor allem der Kernbereich der chemischen Industrie, die Basischemie und die Petrochemie rund um den Hafen von Antwerpen, kämpft mit hohen Energiepreisen sowie starker Konkurrenz aus den USA und China.
Belgischer Chemiesektor hält sich im EU-Vergleich noch stabil
Dabei bleibt Belgien allerdings noch einer der stabilsten Chemiestandorte Europas. Der Chemiesektor kommt besser mit der Situation zurecht als in den meisten europäischen Nachbarländern.
- Das liegt laut Essenscia an den gut aufgestellten und integrierten industriellen Clustern, einer hohen Innovationskraft sowie einer aktiven Rolle in der grünen Transformation.
Auch die Zahlen des Verbands der europäischen Chemieindustrie Cefic bestätigen die vergleichsweise noch entspannte Situation für Belgien.
- Rund 45 Prozent der Produktionskapazitäten der europäischen Chemie wurden laut Cefic in den Jahren 2021 bis 2025 geschlossen. Am stärksten von der Krise sei Deutschland betroffen. Hier gingen 25 Prozent der Produktionskapazitäten verloren. In den Niederlanden sind es 20 Prozent, in Belgien dagegen nur 6 Prozent.
Investitionen nötig sonst drohen Abwanderungen
Branchenvertreter warnen davor, dass auch zukünftig Investitionen in andere Weltregionen abwandern könnten, wenn sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Europa und Belgien nicht verbessern. Dennoch bleibt die belgische Chemieindustrie ein strategischer Kernsektor mit großem Transformationspotenzial.
Viele Unternehmen investieren in nachhaltigere Produktionsverfahren, Kreislaufwirtschaft, Recycling, Wasserstoff, Elektrifizierung und innovative CO2-arme Prozesse. Damit dürfte die Zukunft der Branche nicht ausschließlich von der aktuellen Kostenkrise abhängen, sondern auch davon, wie erfolgreich sie den Übergang zu einer klimafreundlicheren und technologisch moderneren Industrie gestalten kann.
- Um aus der Krise herauszukommen, fordert die Industrie Lösungen von der Regierung. Jan Remeysen, Präsident von Essenscia und Leiter des AHK debelux-Mitglieds BASF in Antwerpen, sieht die Prioritäten in der Senkung der Energie- und CO₂-Kosten, die Einführung handelspolitischer Schutzmaßnahmen und ein investitionsfreundlicheres Klima.