Zentralbank korrigiert trotz stabiler Entwicklung Wachstumsprognose nach unten
Die Nationale Bank Belgiens (NBB) erwartet für 2026 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,6 %, nach 1 % im Vorjahr. Die Inflation dürfte wegen höherer Energiepreise auf durchschnittlich 3,4 % steigen, bis 2028 aber wieder auf etwa 2 % sinken.
Der Verband belgischer Unternehmen (VBO-FEB) kam bei seiner aktuellen Unternehmensbefragung ebenfalls zu der Schlussfolgerung: Die Iran-Krise habe die zaghafte Erholung, die sich um den Jahreswechsel in einigen Branchen abzuzeichnen begann, im Keim erstickt, heisst es in der aktuellen Pressemitteilung. >>> Lesen Sie hier mehr
Private Konsum bleibt soll weiter wachsen
Die Wirtschaft dürfte sich 2026 deutlich abschwächen, sich danach aber langsam erholen. Für 2027 erwartet die NBB ein Wachstum von 1,1 %, für 2028 von 1,3 %.
Höhere Ölpreise treiben die Inflation 2026 erneut nach oben. Dadurch gerate die Kaufkraft der Haushalte kurzfristig unter Druck. Der Konsum soll dennoch weiter wachsen, da viele Haushalte auf Ersparnisse zurückgreifen.
Investitionen und Exporte bleiben stabil
Unternehmensinvestitionen bleiben relativ stabil, während sich die Wohnungsinvestitionen nur langsam erholen. Während die Exporte leicht zulegen, verliere Belgien jedoch weiterhin Marktanteile.
Arbeitsmarkt erholt sich langsam
Die Beschäftigung wachse zunächst schwach, soll aber ab 2027 stärker zunehmen. Zwischen 2026 und 2028 rechnet die NBB mit rund 90.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen.
Öffentliche Finanzen bleiben problematisch
Das Haushaltsdefizit steige von 5,2 % des BIP im Jahr 2025 auf 5,7 % im Jahr 2028. Gründe seien höhere Zinskosten, steigende altersbedingte Ausgaben, höhere Verteidigungsausgaben und sinkende Einnahmen.
Fazit
Die NBB geht davon aus, dass Belgien den Iran-Schock zwar überwinden kann, aber weiter mit schwachem Wachstum, hoher Verschuldung und einem steigenden Haushaltsdefizit kämpft.
Unternehmensumfrage: Anfängliche Erholung durch geopolitischen Schock zunichte gemacht
Zusammen repräsentieren die Mitglieder des VBO-FEB 80 % der belgischen Exporte, 75 % der Beschäftigung im privaten Sektor und mehr als zwei Drittel der Wertschöpfung in Belgien.
Die belgische Wirtschaft reagiere traditionell sehr empfindlich auf einen solchen Energieschock. Das Unternehmervertrauen habe sich zwar kürzlich leicht erholt, liege aber immer noch unter dem Niveau von vor einem Jahr. Zudem bleibe das Geschäftsklima in der verarbeitenden Industrie schwach und verzeichne den zweiten Monat in Folge einen leichten Rückgang. Der Anteil der Unternehmen, die die Finanzierung als einschränkend empfinde, habe sich von 13 % im Januar auf 27 % im April mehr als verdoppelt.
Rentabilität und Investitionen unter Druck
Rund 80 % der befragten Branchen melden eine geringere Rentabilität als vor sechs Monaten. Keine einzige Branche rechne in den kommenden sechs Monaten mit einer Steigerung der Rentabilität. Im November waren es noch 20 % der Branchen.