Gesamtwirtschaft leidet weiter unter strukturellen Problemen
Die deutsche Konjunktur kommt auch 2026 nicht vom Fleck. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Standortkosten und eine schwache Inlandsnachfrage liegen wie Blei auf der Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Jahresbeginn 2026, die die Stimmungslage von rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen abbildet.
Nur ein Viertel der Unternehmen bewertet seine Geschäftslage zu Jahresbeginn als gut, ein weiteres Viertel als schlecht. Trotz angekündigter Reformen der Bundesregierung ist auch der Blick nach vorne nur geringfügig optimistischer als noch im Herbst: Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov:
"Auf Basis dieser Zahlen rechnen wir 2026 mit einem schwachen Wachstum von einem Prozent, das zu einem großen Teil auf Statistik- und Kalendereffekten beruht. Das ist zu wenig, unsere Wettbewerber sind dynamischer. So sei die Weltwirtschaft seit 2019 um 19 Prozent gewachsen, die Wirtschaft in den USA um 15 Prozent und in Italien immerhin noch um 6 Prozent. Nur in Deutschland treten wir seit 2019 mit 0,2 Prozent auf der Stelle. Wer unseren Wohlstand sichern will, muss jetzt konsequent an den Standortfaktoren arbeiten.“
Rahmenbedingungen in Deutschland führen zu Belastungen
Die Umfrage unterstreicht die strukturellen Belastungen, die die Unternehmen als Geschäftsrisiken identifizieren:
- schwache Nachfrage im Inland (59 Prozent)
- gestiegene Arbeitskosten (59 Prozent)
- unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (58 Prozent)
- hohe Energie- und Rohstoffpreise (48 Prozent) belastet.
Exporterwartungen als Hoffnungsschimmer
In der Exportindustrie scheinen sich die Bremsfaktoren langsam aufzulösen. Angesprungen ist der Exportmotor allerdings noch nicht. Etwas Hoffnung machen die Exporterwartungen: Trotz der handelspolitischen Turbulenzen rechnen 22 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Ausfuhren – drei Prozentpunkte mehr als im Herbst. Ebenfalls 22 Prozent erwarten ein Minus. Zuletzt waren es noch 29 Prozent.