Die belgische Wirtschaft wächst stabil doch Aussichten bleiben gedämpft
Die Zentralbank Belgien interviewte im Oktober und November vorigen Jahres 34 Unternehmen im Rahmen des NBB Business Echos. Das Resultat zeigt, dass sich die meisten Unternehmen klar zu Belgien bekennen und an ihren lokalen Aktivitäten festhalten. Sie sehen sich jedoch schwierigen Rahmenbedingungen gegenüber.
- Investitionen werden überwiegend auf Instandhaltung, Effizienz und ökologische Verbesserungen beschränkt
- während Expansionsprojekte in Belgien und Westeuropa häufig verschoben werden
- Handelsunsicherheiten mit den USA sowie hohe Energie- und Arbeitskosten und strenge Regulierung erschweren die Geschäftslage zusätzlich
Kernaussagen des NBB Business Echo
- Moderates Wachstum bei hoher Unsicherheit
Die belgische Wirtschaft wächst weiterhin stabil, jedoch bleiben die Aussichten gedämpft. Handelsstörungen und strukturelle Kostenbelastungen (hohe Arbeits- und Energiekosten) hemmen die Wettbewerbsfähigkeit. - Robuster Arbeitsmarkt mit strukturellen Ungleichgewichten
Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt stark, aber Fachkräftemangel und regionale Unterschiede bestehen. Unternehmen setzen verstärkt auf Automatisierung und Digitalisierung. - Investitionen fokussieren auf Effizienz und Nachhaltigkeit
Expansionsprojekte werden häufig verschoben; Investitionen konzentrieren sich auf Instandhaltung und ökologische Verbesserungen. Finanzierung bleibt gut verfügbar. - Lokale Verankerung trotz Herausforderungen
Unternehmen bekennen sich klar zu Belgien, sehen aber regulatorische und kostenbedingte Hürden. Einige verlagern Investitionen in Märkte außerhalb der EU, insbesondere in die USA.
Ausblick 2026: strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen
Mit Blick auf Anfang 2026 wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum weitgehend unverändert bleibt. Haushalte und Unternehmen bleiben bei ihren Ausgaben- und Investitionsplänen vorsichtig, während strukturelle Herausforderungen – insbesondere in der Fertigung, im Bauwesen und im Einzelhandel – wahrscheinlich bestehen bleiben werden. Während einige Branchen, wie beispielsweise das Bauwesen, erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigen, verzeichnen andere, wie beispielsweise unternehmensbezogene Dienstleistungen, einen Rückgang der Aktivitäten. Der Inflationsdruck hat nachgelassen, aber hohe Arbeitskosten, Fehlbesetzungen und komplexe Vorschriften dürften weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Insgesamt erscheinen die Aussichten stabil, aber recht fragil, mit einigen Abwärtsrisiken und keiner klaren kurzfristigen Beschleunigung der Konjunktur in Sicht.
Stabiles Wachstum trotz anhaltender Unsicherheit
Die belgische Wirtschaft wuchs im Sommer weiterhin moderat, da die Auswirkungen der US-Zölle auf die belgische Wirtschaft begrenzt blieben. Allerdings äußerten sich fast alle für den Business Echo befragten Unternehmensleiter relativ zurückhaltend, und viele rechnen weiterhin mit einigen negativen Auswirkungen der Handelsstörungen. Daher sind ihre Wachstumsprognosen für die nahe Zukunft nach wie vor sehr moderat, was die anhaltende Unsicherheit und das Fehlen starker Wachstumsimpulse widerspiegelt. Die Konsumausgaben haben sich verlangsamt, die öffentlichen Ausgaben werden voraussichtlich stagnieren oder zurückgehen, und die Unternehmen stehen angesichts der weniger vorhersehbaren Geschäftsbedingungen vor Herausforderungen bei der langfristigen Planung. Während sich die Inputkosten weitgehend stabilisiert haben, berichten die Befragten, dass strukturelle Belastungen wie hohe Arbeits- und Energiekosten weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, was die Stimmung in vielen Wirtschaftszweigen dämpft. Der Druck auf die Verkaufspreise bleibt aufgrund des intensiven Wettbewerbs gedämpft, sodass wenig Spielraum für Margenwachstum bleibt.
Robuster Arbeitsmarkt aber Ungleichgewichte bei Qualifikation und Standorten
Die Antworten aus den Interviews deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin recht robust ist: Zwar wurden einige Kostensenkungsmaßnahmen wie Einstellungsstopps und selektive Entlassungen erwähnt, doch fast alle Unternehmen stellen weiterhin Mitarbeiter ein, wenn auch in moderatem, vorsichtigem Tempo. Die meisten Unternehmensleiter gaben an, dass die Einstellung von Mitarbeitern im Vergleich zum Vorjahr etwas einfacher geworden sei, obwohl die Rekrutierung von technisch qualifizierten Profilen nach wie vor als schwierig empfunden werde. Strukturelle Ungleichgewichte – sowohl in Bezug auf Qualifikationen als auch auf den Standort – bestehen weiterhin.
Automatisierung soll Fachkräftemangel ausgleichen
Die Lohnkosteninflation hat sich deutlich abgeschwächt, aber die Wettbewerbsfähigkeit bleibt unter Druck. Infolgedessen investieren die Unternehmen weiterhin in Automatisierung und Digitalisierung, um die hohen Arbeitskosten und den Arbeitskräftemangel auszugleichen. Die Befragten äußerten den Wunsch nach mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und hoben die zunehmenden Spannungen bei den Lohnverhandlungen hervor, insbesondere dort, wo Branchenvereinbarungen Branchen mit deutlich unterschiedlichen Bedingungen miteinander verbinden – wie dies beispielsweise bei der robusten Pharmabranche und der schwächelnden chemischen Industrie der Fall ist. Insgesamt wird erwartet, dass der Arbeitsmarkt strukturell angespannt bleibt.
Investoren: Klares Bekenntnis zu Belgien
Die meisten der befragten Unternehmen sind hinsichtlich Eigentumsverhältnissen und Produktionsstandorten lokal verankert und signalisierten ein klares Bekenntnis zur Aufrechterhaltung ihrer Aktivitäten in Belgien. Die Bedingungen sind jedoch herausfordernd. In den meisten Fällen wurden die Investitionsausgaben laut Angaben zurückgefahren und konzentrieren sich auf Instandhaltung, Effizienzsteigerungen und die Ökologisierung von Produktionsprozessen.
Expansionen häufig verschoben
Expansionsprojekte in Belgien – und im weiteren Sinne in Westeuropa – werden laut den Befragten häufig verschoben. Die jüngste Unsicherheit hinsichtlich der Handelsbedingungen mit den USA hat die ohnehin schon schwierige Geschäftslage angesichts der strengeren belgischen (und europäischen) Regulierungsvorschriften und der hohen Energie- und Arbeitskosten noch komplizierter gemacht.
Finanzierungsmöglichkeiten nach wie vor sehr gut
Mehrere Befragte gaben an, ihre Investitionen in Märkte außerhalb der EU, insbesondere in den USA, auszuweiten. Fast alle Befragten gaben an, dass dies nicht auf Kreditbeschränkungen zurückzuführen sei; die Finanzierung sei nach wie vor sehr gut zugänglich, obwohl die Banken risikoreiche Sektoren weiterhin genauer unter die Lupe nehmen.
Über das NBB Business Echo
Die aktuelle Ausgabe des NBB Business Echo bietet einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Lage in Belgien und stützt sich auf 34 Interviews mit Unternehmensleitern, die zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2025 durchgeführt wurden. Ziel dieser Analyse ist es, die makroökonomische Einschätzung der Nationalbank zu ergänzen und wertvolle Impulse für den Konjunkturmonitor zu liefern, der eine quantitative Schätzung des vierteljährlichen Wachstums bereitstellt. Die Ergebnisse spiegeln die Stimmungslage in den Unternehmen wider und geben Einblicke in zentrale Themen wie Wachstumsperspektiven, Arbeitsmarkttrends, Investitionsentscheidungen und strukturelle Herausforderungen.