Die Märkte Belgien und Luxemburg

Belgien und Luxemburg gehören zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Das Handelsvolumen mit beiden Ländern zusammen betrug im Jahr 2015 fast 87 Mrd. Euro. Nutzen auch Sie die Geschäftschancen, die unsere beiden Nachbarländer bieten!

Belgien

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Als zentrales Drehkreuz in Nordwesteuropa ist Belgien für Deutschland ein wichtiger Zielmarkt und zehntgrößter Handelspartner weltweit. Für eine Investition sprechen u. a. das hohe Ausbil-dungsniveau der Bevölkerung, die zentrale Lage des Landes und die erstklassige Infrastruktur. So hat sich der Hafen Antwerpen in den vergangenen Jahren zum größten maritimen und industriellen Umschlagplatz Europas entwickelt.

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Land und Leute

Das Königreich Belgien ist durch eine strikte Sprachentrennung gekennzeichnet. Während man in Flandern Niederländisch spricht, ist die offizielle Amtssprache in der südlich gelegenen Wallonie Französisch. Eine Ausnahme bildet der deutschsprachige Teil im Osten der Region, in dem neben Französisch auch Deutsch die Amtssprache ist. Brüssel hingegen ist offiziell zweisprachig. Die Geschäftskorrespondenz sollte mit Flamen auf Niederländisch und mit Wallonen auf Französisch geführt werden. Bei Produkten, die sich an belgische Konsumenten (Endverbraucher) richten, wird empfohlen, Beschreibungen/Inhalte etc. gleich in den beiden Landessprachen Niederländisch und Französisch zu veröffentlichen.

Mit der historisch bedingten Mehrsprachigkeit Belgiens gehen auch sozioökonomische und kulturelle Unterschiede einher. Letztere schlagen sich auch in der lokalen Geschäftsmentalität nieder und sollten bei der Markterschließung dringend berücksichtigt werden.

Wirtschaft

Marktchancen ergeben sich vor allem bei energieeffizienten Industrielösungen. Da die belgische Wirtschaft von besonders energieintensiven Branchen wie der Raffinerie-, Chemie-, Pharma-, Kfz- und Schwerindustrie geprägt ist, ergeben sich hier für deutsche Akteure vielfältige Absatzmöglichkeiten.

Der Dienstleistungssektor macht über zwei Drittel des belgischen Bruttoinlandsprodukts aus und ist vor allem in den Sektoren Transport, Finanzen, Kommunikation sowie Messe- und Kongresswesen hoch entwickelt.

Im Bereich der Feinmechanik, Optik, Bio- und Labortechnik gehört insbesondere die Wallonie zu den Pionieren in Europa. Mehrere Cluster stärken internationale Technologie-Partnerschaften in diesem Bereich, wodurch sich deutschen Unternehmen hervorragende Bedingungen für einen erfolgreichen Markteintritt bieten. Das Hafengebiet Antwerpen gilt überdies als wichtigster europäischer Standort der chemisch-petrochemischen Industrie.

Auch für das deutsche Bauhandwerk ist Belgien ein bedeutender Auslandsmarkt. Dies gilt insbesondere für Lieferanten von Installations-, Heiz- und Klimatisierungstechnik. Interessante Geschäftsmöglichkeiten ergeben sich auch im Hochbau, beim Aus- und Umbau alter Gebäude und Wohnungen sowie beim Denkmalschutz.

Im Bereich der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft macht der neue Trend hin zum Import von Abfall und zur Verwertung von Altdeponien Belgien zu einem attraktiven Standort für ausländische Investoren. Die Branche ist vor allem in Flandern weit entwickelt und bietet dem Land beste Voraussetzungen, um sich in den kommenden Jahren zu einem internationalen und für deutsche Investoren attraktiven Recycling-Standort zu entwickeln.

Politik

Belgien ist als parlamentarische Monarchie organisiert. An der Spitze des Staates steht der König. Dessen politische Macht ist jedoch beschränkt. Er unterzeichnet Gesetze und ernennt Minister, darf sich allerdings nicht politisch äußern und erfüllt in Regierungsangelegenheiten daher lediglich eine symbolisch-repräsentative Funktion.

Das politische System in Belgien beruht auf dem Modell des doppelten Föderalismus bestehend aus drei Sprachgemeinschaften (flämisch, französisch und deutsch) sowie den drei territorial definierten Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel Hauptstadt. Während die Regionen für gebietsbezogene Aufgaben wie Wirtschaft, Außenhandel, Verkehr, Bodennutzung sowie Städte- und Straßenbau verantwortlich sind, obliegen personenbezogene Angelegenheiten wie Gesundheit, Kultur und Bildungspolitik den Sprachgemeinschaften. Um nationale Angelegenheiten wie Außenpolitik, Justiz, Verteidigung, Finanzen und innere Sicherheit kümmert sich die in Brüssel ansässige übergeordnete Föderalregierung. Da die Regionen und Sprachgemeinschaften sich weitestgehend selbstständig verwalten, verfügen sie auch über eigene Parlamente und Räte.

Zu den wichtigsten, in der aktuellen Abgeordnetenkammer vertretenen, flämischen und französischsprachigen Parteien gehören die flämischen Nationalisten der Nieuw-Vlaamse Alliantie (Neu-Flämische Allianz), die sozialdemokratische Parti Socialiste, die christlich-soziale Christen-Democratisch en Vlaams sowie die liberalen Parteien Open Vlaamse Liberalen en Democraten und Mouvement Réformateur.

Luxemburg

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Die luxemburgische Wirtschaft ist eine der wachstumsstärksten in der gesamten Europäischen Union. Seine günstige geographische Lage, die exzellente Verkehrsanbindung sowie ein weit über dem europäischen Durchschnitt angesiedeltes Bruttoinlandsprodukt pro Kopf machen das Großherzogtum zu einem interessanten Investitionsstandort für deutsche Investoren.

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Land und Leute

An der Grenze zu Deutschland, Belgien und Frankreich gelegen, hat sich Luxemburg zu einem prosperierenden Staat im Zentrum Europas entwickelt. Trotz seiner vergleichsweise geringen Einwohnerzahl erwirtschaftete das Großherzogtum im Jahr 2015 ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 52,1 Milliarden Euro – eine bemerkenswerte Summe, die u. a. von den zahlreichen Grenzgängern erwirtschaftet wird, welche jeden Tag aus den Nachbarländern zum Arbeiten nach Luxemburg kommen.

Die Sprachensituation im Großherzogtum ist durch den Gebrauch und die gesetzliche Anerkennung der drei Amtssprachen Lëtzbuergesch (Luxemburgisch), Französisch und Deutsch gekennzeichnet. Die Luxemburgische Sprachenpolitik unterscheidet sich von der belgischen dahingehend, dass alle drei Sprachen gleichberechtigt nebeneinander existieren. Englisch ist die Verkehrssprache der großen ausländischen Gemeinschaft, die bei den europäischen Institutionen, im Bankensektor und in der Industrie beschäftigt ist. Zudem gibt es in Luxemburg eine große portugiesische Gemeinschaft.

Wirtschaft

Zu den führenden luxemburgischen Industriezweigen gehört insbesondere die Maschinenbau- und Elektronikindustrie. Beflügelt durch die steigende Nachfrage im In- und Ausland bietet die Branche hervorragende Bedingungen für einen erfolgreichen Markteintritt deutscher Unternehmen. Auch im Kfz-Markt haben deutsche Autobauer im kaufkräftigen Großherzogtum eine starke Position.

Der Dienstleistungssektor macht inzwischen rund 85 Prozent des luxemburgischen Bruttoinlandsprodukts aus. Hierzu tragen vor allem der Finanz- und Immobiliensektor sowie Versicherungen, Verkehr, Nachrichtenübermittlung und Dienstleistungen für die EU bei.

Auch im Bauhandwerk ist das Großherzogtum mit seinem hohen Qualitätsbewusstsein ein interessanter Markt für deutsche Firmen und Handwerker. Aufgrund zunehmender Immobilienknappheit bestehen für deutsche Spezialisten vor allem in Hochbausegmenten, vom Wohnraum bis zu Büro-, Geschäfts- und Gewerbeobjekten, gute Geschäftschancen.

In der Energiewirtschaft soll der Anteil regenerativer Träger im Großherzogtum bis 2020 auf 11 Prozent steigen. Die Errichtung von Windparks und Photovoltaikanlagen sowie die staatliche Förderung intelligenter Energienetze und der E-Mobilität eröffnen deutschen Anbietern vielfältige Absatzmöglichkeiten.

Auch der Bedarf an hochwertiger Medizintechnik ist in Luxemburg hoch. Da der Umfang der inländischen Branche jedoch vergleichsweise gering ist, fördert das Großherzogtum den Aufbau eines Biomedizin-Clusters und eröffnet deutschen Herstellern somit gute Geschäftschancen.

Politik

Das Großherzogtum Luxemburg ist eine repräsentative Demokratie in Form einer konstitutionellen Monarchie. Ebenso wie der belgische König erfüllt auch Luxemburgs Großherzog Henri von Nassau hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Zusammen mit der Regierung und ihren verantwortlichen Mitgliedern bildet er die in der Verfassung verankerte Exekutive.

Die politische Lage Luxemburgs gilt als ausgesprochen stabil, da Konsensbildung und Kompromissbereitschaft dort ein wichtiges Merkmal der politischen Kultur sind. So herrscht im Großherzogtum beispielsweise ein intensiver Dialog zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften, der sogenannten Tripartie (Dreierrunde). Diese Stabilität zeigt sich auch darin, dass sich Regierungswechsel in Luxemburg in der Regel reibungslos vollziehen. Zu den erfolgreichsten politischen Parteien gehören vor allem die Luxemburger Sozialistische Arbeiterpartei, die Demokratische Partei, die Grünen und die Christlich Soziale Volkspartei.