Belgien: Wachstum bleibt hinter Nachbarländern zurück

Im dritten Viertel betrug das BIP-Wachstum 0,4%. Das ist mehr als die Ökonomen erwartet hatten (+0,3%).

Voraussichtlich steigt somit das Bruttoinlandsprodukt 2018 um 1,4%, das ist weniger als 1,7% vom Vorjahr, meinte ING Belgien Ökonom Philippe Ledent gegenüber der Zeitung „De Tijd“. Doch er sieht auch den Anstieg der Beschäftigung in Belgien. Im letzten Jahr kamen 65 000 neue Jobs hinzu, im zweiten Quartal 2018 stieg die Beschäftigung um 0,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Im Vergleich zu den Aussichten der Nachbarländer Deutschland (2,2%) und Niederlande (2,9%) bleibt das belgische Wirtschaftswachstum voraussichtlich verhalten. Kein Grund zur Panik, meint Johan Van Gompel, Seniorökonom bei KBC gegenüber der Zeitschrift Trends. Das durchschnittliche Wachstum Belgiens seit Gründung der Eurozone beträgt 1,76% pro Jahr, der Durchschnitt der Eurozone 1,4%. Allerdings verlangsamt sich der Vorsprung zusehens: Das BIP in Niederlande und Deutschland wuchs zwischen 2013 und 2018 über 11%. Das liegt über dem Durchschnitt der Eurozone, die in diesem Zeitraum um 10,6% wuchs. Zum Vergleich: das BIP in Belgien stieg um 8,1%.

Das ist nur eine Art der Betrachtungsweise, so Bart Van Craeynest, Chefökonom der flämischen Handelskammerorganisation VOKA. Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern war Belgien weniger stark betroffen von der großen Rezession. Vor allem der Immobiliensektor hatte im Vergleich zu Niederlanden z. B. weitaus geringer gelitten. Auf der anderen Seite wurden also auch weniger Maßnahmen getroffen die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. Dadurch entstand ein leichter Rückstand zu den Nachbarländern, deren Konjunktur in den Keller gesunken ist.

Eine Schraube, an der Belgiens Regierung noch weiter drehen muss, um den Rückstand aufzuholen sind die Arbeitskosten, so Van Craeynest. „Trotz der bereits getroffen Regierungsmaßnahmen bleibt der Steuerdruck zu hoch., vor allem bei Arbeitsbesteuerung. Laut den neuesten Zahlen gibt es nur zwei Länder, in denen die Arbeitskosten höher sind als in Belgien“, zitiert Trends.

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